Die TGA-Branche galt lange als reine Präsenz-Branche: Baustelle, Büro, Bauherrentreffen – alles vor Ort. Doch die Realität hat sich gewandelt. Cloud-basierte BIM-Tools, digitale Planungsprozesse und Video-Koordination haben Remote-Arbeit auch für TGA-Fachkräfte möglich gemacht – zumindest teilweise.
Wie viel Remote ist in der TGA realistisch? Und was bedeutet das für dein Gehalt? Wir geben einen ehrlichen Überblick aus unserer Vermittlungspraxis.
Status quo: Remote in der TGA 2026
Die TGA-Branche bewegt sich in Sachen Remote-Arbeit langsamer als die IT, aber schneller als viele erwarten. Unsere Beobachtungen aus dem aktuellen Vermittlungsmarkt:
- Hybride Modelle dominieren: Die meisten TGA-Arbeitgeber bieten inzwischen 1–3 Tage Home-Office pro Woche an. Vollständig remote (5 Tage/Woche) ist die Ausnahme.
- Planungsrollen profitieren am meisten: Fachplaner und technische Systemplaner können den größten Remote-Anteil aushandeln.
- Baustellen-Rollen bleiben präsent: Bauleiter und Objektüberwacher müssen weiterhin regelmäßig vor Ort sein – Remote beschränkt sich hier auf Dokumentation und Berichterstellung.
- Große Arbeitgeber sind flexibler: Konzerne und große Ingenieurbüros bieten häufiger Remote-Optionen als kleine Büros.
Remote-Anteil nach Rolle
| Rolle | Typischer Remote-Anteil |
|---|---|
| Fachplaner TGA | 2–3 Tage/Woche |
| Techn. Systemplaner | 2–3 Tage/Woche |
| Projektleiter TGA | 1–2 Tage/Woche |
| BIM-Koordinator/Manager | 2–3 Tage/Woche |
| Bauleiter TGA | 0–1 Tag/Woche |
| Objektüberwacher | 0–1 Tag/Woche |
| Servicetechniker | 0 Tage |
Wie Remote das Gehalt beeinflusst
Remote-Arbeit hat einen indirekten, aber messbaren Gehaltseffekt:
- Pendelkosten-Ersparnis: Bei 40 km einfacher Strecke sparen 2 Remote-Tage ca. 200–400 Euro monatlich an Sprit, Verschleiß und Zeit.
- Größerer Arbeitsmarkt: Wer remote arbeiten kann, ist nicht auf Arbeitgeber im Pendelradius beschränkt. Das ermöglicht Zugang zu höher zahlenden Unternehmen in teuren Regionen – bei niedrigeren Lebenshaltungskosten.
- Kein Gehaltsabschlag für Remote: Im Gegensatz zur IT-Branche gibt es in der TGA bislang keine Tendenz, Remote-Gehälter niedriger anzusetzen. Der Fachkräftemangel ist zu groß.
Ein Fachplaner in Leipzig arbeitet 3 Tage remote für ein Münchner Büro, das ein höheres Gehalt zahlt als Arbeitgeber in Leipzig. Effektiv entspricht das einer Gehaltserhöhung, da die Lebenshaltungskosten in Leipzig deutlich niedriger sind.
Was Arbeitgeber aktuell bieten
Die Remote-Angebote variieren stark je nach Arbeitgeber. Unsere Beobachtungen aus dem aktuellen Markt:
- Progressive Ingenieurbüros: 2–3 Tage Home-Office, Budget für Home-Office-Ausstattung (500–1.500 Euro), cloud-basierte BIM-Infrastruktur.
- Gebäudetechnik-Konzerne: Meist feste Regelungen (z. B. 2 Tage/Woche), Betriebsvereinbarungen, Mobile-Work-Policies.
- Industrie: Häufig konservativere Regelungen, aber im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend flexibler.
- Öffentlicher Dienst: Variert stark je nach Dienststelle. Einige Baubehörden bieten mittlerweile 2 Tage/Woche, andere bestehen auf volle Präsenz.
Tools und Infrastruktur für Remote-TGA
Effektives Remote-Arbeiten in der TGA setzt die richtige Infrastruktur voraus:
- BIM-Collaboration: Autodesk BIM Collaborate Pro, Trimble Connect oder Allplan Bimplus ermöglichen simultanes Arbeiten am Modell.
- Leistungsstarke Hardware: TGA-Planung mit Revit oder Plancal erfordert einen potenten Rechner. Prüfe, ob der Arbeitgeber entsprechende Laptops oder Desktop-Zugang via VDI stellt.
- Schnelle Internetverbindung: Mindestens 50 Mbit/s Download, besser 100+ Mbit/s. BIM-Modelle sind datenintensiv.
- Doppelmonitor-Setup: Planer und Projektleiter brauchen mindestens zwei Bildschirme für effizientes Arbeiten.
Remote-Anteil verhandeln
Wenn dir Remote-Arbeit wichtig ist, solltest du das früh im Bewerbungsprozess ansprechen:
- Konkreten Vorschlag machen: Statt zu fragen ob Home-Office möglich ist, schlage ein konkretes Modell vor (z. B. 2 Tage/Woche remote, feste Präsenztage für Koordination).
- Produktivität betonen: Argumentiere mit Effizienz – konzentrierte Planungsarbeit gelingt vielen im Home-Office besser als im Großraumbüro.
- Flexibilität signalisieren: Zeige, dass du in kritischen Phasen (Abgaben, Inbetriebnahmen) auch 5 Tage vor Ort bist.
- Schriftlich fixieren: Remote-Regelungen gehören in den Arbeitsvertrag oder mindestens in eine Zusatzvereinbarung.