Die TGA-Branche galt lange als reine Präsenz-Branche: Baustelle, Büro, Bauherrentreffen – alles vor Ort. Doch die Realität hat sich gewandelt. Cloud-basierte BIM-Tools, digitale Planungsprozesse und Video-Koordination haben Remote-Arbeit auch für TGA-Fachkräfte möglich gemacht – zumindest teilweise.

Wie viel Remote ist in der TGA realistisch? Und was bedeutet das für Ihr Gehalt? Wir geben einen ehrlichen Überblick basierend auf unseren Erfahrungen in der TGA-Vermittlung.

Status quo: Remote in der TGA 2026

Die TGA-Branche bewegt sich in Sachen Remote-Arbeit langsamer als die IT, aber schneller als viele erwarten. Unsere Beobachtungen aus dem aktuellen Vermittlungsmarkt:

  • Hybride Modelle dominieren: Die meisten TGA-Arbeitgeber bieten inzwischen 1–3 Tage Home-Office pro Woche an. Vollständig remote (5 Tage/Woche) ist die Ausnahme.
  • Planungsrollen profitieren am meisten: Fachplaner und technische Systemplaner können den größten Remote-Anteil aushandeln.
  • Baustellen-Rollen bleiben präsent: Bauleiter und Objektueberwacher müssen weiterhin regelmaeßig vor Ort sein – Remote beschränkt sich hier auf Dokumentation und Berichterstellung.
  • Große Arbeitgeber sind flexibler: Konzerne und große Ingenieurbüros bieten häufiger Remote-Optionen als kleine Büros.

Remote-Anteil nach Rolle

RolleTypischer Remote-AnteilMaximaler Remote-Anteil
Fachplaner TGA2–3 Tage/WocheBis 80 % möglich
Techn. Systemplaner2–3 Tage/WocheBis 80 % möglich
Projektleiter TGA1–2 Tage/WocheBis 60 % je nach Phase
BIM-Koordinator/Manager2–3 Tage/WocheBis 80 % möglich
Bauleiter TGA0–1 Tag/WocheMax. 20–30 %
Objektueberwacher0–1 Tag/WocheMax. 20–30 %
Servicetechniker0 TageNicht remote möglich

Wie Remote das Gehalt beeinflusst

Remote-Arbeit hat einen indirekten, aber messbaren Gehaltseffekt:

  • Pendelkosten-Ersparnis: Bei 40 km einfacher Strecke sparen 2 Remote-Tage ca. 200–400 Euro monatlich an Sprit, Verschleiß und Zeit.
  • Größerer Arbeitsmarkt: Wer remote arbeiten kann, ist nicht auf Arbeitgeber im Pendelradius beschränkt. Das ermöglicht Zugang zu höher zahlenden Unternehmen in teuren Regionen – bei niedrigeren Lebenshaltungskosten.
  • Kein Gehaltsabschlag für Remote: Im Gegensatz zur IT-Branche gibt es in der TGA bislang keine Tendenz, Remote-Gehälter niedriger anzusetzen. Der Fachkräftemangel ist zu groß.
Rechenbeispiel: Ein Fachplaner in Leipzig (Gehalt: 55.000 Euro) arbeitet 3 Tage remote für ein Münchner Büro (Gehalt: 65.000 Euro). Effektiv entspricht das einer Gehaltserhöhung von ca. 22 %, da die Lebenshaltungskosten in Leipzig deutlich niedriger sind.

Was Arbeitgeber aktuell bieten

Die Remote-Angebote variieren stark je nach Arbeitgeber. Unsere Beobachtungen aus dem aktuellen Markt:

  • Progressive Ingenieurbüros: 2–3 Tage Home-Office, Budget für Home-Office-Ausstattung (500–1.500 Euro), cloud-basierte BIM-Infrastruktur.
  • Gebäudetechnik-Konzerne: Meist feste Regelungen (z. B. 2 Tage/Woche), Betriebsvereinbarungen, Mobile-Work-Policies.
  • Industrie: Häufig konservativere Regelungen, aber im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend flexibler.
  • Öffentlicher Dienst: Variert stark je nach Dienststelle. Einige Baubehörden bieten mittlerweile 2 Tage/Woche, andere bestehen auf volle Präsenz.

Tools und Infrastruktur für Remote-TGA

Effektives Remote-Arbeiten in der TGA setzt die richtige Infrastruktur voraus:

  • BIM-Collaboration: Autodesk BIM Collaborate Pro, Trimble Connect oder Allplan Bimplus ermöglichen simultanes Arbeiten am Modell.
  • Leistungsstarke Hardware: TGA-Planung mit Revit oder Plancal erfordert einen potenten Rechner. Prüfen Sie, ob der Arbeitgeber entsprechende Laptops oder Desktop-Zugang via VDI stellt.
  • Schnelle Internetverbindung: Mindestens 50 Mbit/s Download, besser 100+ Mbit/s. BIM-Modelle sind datenintensiv.
  • Doppelmonitor-Setup: Planer und Projektleiter brauchen mindestens zwei Bildschirme für effizientes Arbeiten.

Remote-Anteil verhandeln

Wenn Ihnen Remote-Arbeit wichtig ist, sollten Sie das früh im Bewerbungsprozess ansprechen:

  • Konkreten Vorschlag machen: Statt zu fragen ob Home-Office möglich ist, schlagen Sie ein konkretes Modell vor (z. B. 2 Tage/Woche remote, feste Präsenztage für Koordination).
  • Produktivität betonen: Argumentieren Sie mit Effizienz – konzentrierte Planungsarbeit gelingt vielen im Home-Office besser als im Großraumbüro.
  • Flexibilität signalisieren: Zeigen Sie, dass Sie in kritischen Phasen (Abgaben, Inbetriebnahmen) auch 5 Tage vor Ort sind.
  • Schriftlich fixieren: Remote-Regelungen gehören in den Arbeitsvertrag oder mindestens in eine Zusatzvereinbarung.

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