Building Information Modeling (BIM) verändert die TGA-Branche grundlegend. Wer heute BIM-Kompetenzen mitbringt, hat in Gehaltsverhandlungen einen echten Trumpf in der Hand. Aber wie hoch ist der Aufschlag tatsächlich? Und welche BIM-Skills machen den größten Unterschied?
Dieser Artikel zeigt dir, was sich aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit ableiten lässt – und was nicht.
Warum BIM das Gehalt steigert
Die Nachfrage nach BIM-erfahrenen TGA-Fachkräften übersteigt das Angebot bei Weitem. Seit 2021 sind BIM-basierte Planungsmethoden bei öffentlichen Bauvorhaben des Bundes verpflichtend. Immer mehr Bundesländer und private Auftraggeber ziehen nach.
Gleichzeitig beherrschen viele erfahrene TGA-Ingenieure und Planer BIM noch nicht auf dem Niveau, das Projekte heute erfordern. Diese Angebotslücke schlägt sich direkt im Gehalt nieder: Arbeitgeber sind bereit, für BIM-kompetente Fachkräfte deutlich mehr zu zahlen.
Rollen-Mediane im Vergleich
Die amtliche Statistik weist BIM nicht als eigenes Merkmal aus – einen belegten Prozentwert für den Aufschlag gibt es deshalb nicht. Nachrechnen lässt sich nur der Abstand zwischen Rollen mit eigenen amtlichen Werten: Fachplaner TGA liegen laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Median bei 77.000 €, BIM-Manager TGA bei 68.000 €. Das ist ein Rollenunterschied, kein Zuschlag auf ein Zertifikat. Die Rollen im Vergleich:
| Rolle | Median laut Entgeltatlas | Abstand zum Fachplaner TGA |
|---|---|---|
| Fachplaner TGA | 77.000 € | Bezugsrolle |
| BIM-Manager TGA | 68.000 € | rund −12 % |
| Bauleiter TGA | 61.000 € | rund −21 % |
| Projektleiter TGA | 77.000 € | gleich |
| Einen eigenen Wert für »mit BIM« gibt es nicht: Die amtliche Statistik weist die Spezialisierung nicht getrennt aus. | ||
Die stärksten Aufschläge erzielen Fachkräfte, die BIM nicht nur als Software-Skill, sondern als Methodik beherrschen – also BIM-Prozesse, Modellierungsrichtlinien und Koordination aktiv steuern können.
Welche BIM-Skills sich am meisten lohnen
Nicht jede BIM-Kompetenz ist gleich viel wert. Was in TGA-Stellenausschreibungen am häufigsten verlangt wird, ergibt eine grobe Rangfolge:
- Revit MEP (Autodesk): Der de-facto-Standard in der TGA-Planung. Grundvoraussetzung, allein aber kein großer Gehaltstreiber mehr.
- BIM-Koordination (Modellprüfung, Kollisionskontrolle): Wer Navisworks oder Solibri beherrscht und Koordinationssitzungen leiten kann, erzielt den größten Aufschlag.
- openBIM / IFC-Workflows: Software-unabhängige BIM-Kompetenz wird immer wertvoller, besonders bei öffentlichen Auftraggebern.
- Dynamo / Grasshopper für TGA: Parametrische Automation ist noch selten und wird entsprechend hoch vergütet.
- BIM-Abwicklungspläne (BAP) erstellen: Methodisches Know-how, das BIM-Manager auszeichnet.
BIM-Zertifizierungen im Überblick
Formale BIM-Zertifizierungen werden von Arbeitgebern zunehmend erwartet. Die wichtigsten im deutschsprachigen Raum:
- buildingSMART Professional Certification: International anerkannt, modular aufgebaut. Kosten: ca. 1.500–3.000 Euro. Empfehlung für alle, die BIM-Koordination anstreben.
- VDI/buildingSMART BIM-Qualifikationen: Speziell für den deutschen Markt relevant, orientiert an den VDI 2552-Normen.
- Autodesk Certified Professional: Sinnvoll als Ergänzung, aber allein kein ausreichendes Differenzierungsmerkmal.
Verhandle die Kosten für BIM-Zertifizierungen als Teil deines Weiterbildungsbudgets. Viele Arbeitgeber übernehmen diese gerne, da sie direkt von der höheren Kompetenz profitieren.
BIM-Aufschlag verhandeln
Wenn du BIM-Kompetenzen in eine Gehaltsverhandlung einbringst, solltest du konkret argumentieren:
- Benenne Projekte, in denen du BIM eingesetzt hast, und den messbaren Nutzen (weniger Kollisionen, schnellere Genehmigung, reduzierte Nachträge).
- Verweise auf die amtlichen Rollen-Mediane: BIM-Manager TGA 68.000 €, Fachplaner TGA 77.000 € – und darauf, welche dieser Aufgaben du heute schon übernimmst.
- Betone die strategische Bedeutung: Ohne BIM-Kompetenz im Team verliert das Unternehmen Aufträge bei öffentlichen Vergaben.
Ausblick: BIM-Pflicht und Gehaltsentwicklung
Die BIM-Pflicht wird sich in den nächsten Jahren weiter ausdehnen. Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg führen BIM-Anforderungen für Landesprojekte ein. Gleichzeitig verlangen immer mehr private Bauherren BIM-basierte Planung.
Für TGA-Fachkräfte bedeutet das: BIM-Kompetenz wird mittelfristig vom Differenzierungsmerkmal zur Grundvoraussetzung. Wer jetzt investiert, profitiert noch von den höchsten Aufschlägen. Wer wartet, muss später nachziehen – ohne den gleichen Gehaltsbonus.