Die Nachfrage nach freiberuflichen TGA-Spezialisten ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Großprojekte in der Rechenzentrumstechnik, Krankenhausbau und Industrieplanung benötigen flexible Kapazitäten, die Ingenieurbüros intern nicht abdecken können. Das treibt die Tagessätze nach oben.

Doch was verdienen TGA-Freelancer tatsächlich? Wir haben die Tagessatzdaten aus unseren Vermittlungen und Marktbeobachtungen zusammengetragen und geben Ihnen einen transparenten Überblick.

Der Freelancer-Markt in der TGA

Im Gegensatz zur IT-Branche, wo Freelancing seit Jahrzehnten etabliert ist, wächst der freiberufliche TGA-Markt erst seit wenigen Jahren signifikant. Die Haupttreiber sind:

  • Projektspitzen: Große TGA-Projekte (Rechenzentren, Kliniken, Produktionsstätten) erzeugen temporären Bedarf, den Büros nicht mit Festangestellten decken können.
  • Spezialisierungen: Nischen wie Kältetechnik, Reinraumtechnik oder MSR-Technik erfordern Experten, die nicht dauerhaft im Team vorgehalten werden.
  • BIM-Expertise: Viele Ingenieurbüros holen sich BIM-Kompetenz über Freelancer ins Haus, bis das eigene Team geschult ist.
  • Fachkräftemangel: Wenn offene Stellen monatelang unbesetzt bleiben, greifen Unternehmen auf Freiberufler zurück.

Tagessätze nach Rolle und Erfahrung

Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Tagessätze für TGA-Freelancer im deutschsprachigen Raum. Die Werte beziehen sich auf einen 8-Stunden-Tag und verstehen sich netto zzgl. MwSt. und Reisekosten:

RolleJunior (0–3 J.)Mid (3–7 J.)Senior (7+ J.)
Fachplaner TGA / HKLS450–550 €550–700 €700–900 €
Fachplaner Elektrotechnik450–560 €560–720 €720–920 €
Projektleiter TGA500–620 €620–800 €800–1.100 €
Bauleiter TGA480–580 €580–750 €750–950 €
BIM-Koordinator TGA500–620 €620–800 €800–1.000 €
Kältetechnik-Planer480–600 €600–780 €780–1.000 €
Objektueberwacher TGA460–560 €560–720 €720–900 €
Aufschläge möglich: Für Einsätze in Reinraumtechnik, Rechenzentren oder Pharmaprojekte liegen die Tagessätze 10–20 % über den genannten Werten. Ebenso bei kurzfristiger Verfügbarkeit (unter 2 Wochen Vorlauf).

Regionale Unterschiede

Anders als bei Festanstellungen sind die regionalen Unterschiede bei Freelancer-Tagessätzen geringer, da die meisten Freiberufler reisebereit sind. Dennoch gibt es Tendenzen:

  • München, Frankfurt, Stuttgart: Höchste Tagessätze, aber auch höchste Lebenshaltungs- und Reisekosten. Aufschlag: ca. 5–10 %.
  • Hamburg, Düsseldorf, Köln: Solide Nachfrage, marktübliche Sätze.
  • Berlin, Leipzig, Dresden: Etwas niedrigere Sätze (ca. 5 % unter Durchschnitt), dafür wachsende Projektlandschaft.
  • Remote-Projekte: Zunehmend möglich für Planungsphasen. Remote-Tagessätze liegen ca. 5–10 % unter Vor-Ort-Sätzen.

Freelancing vs. Festanstellung: Die ehrliche Rechnung

Ein Tagessatz von 700 Euro klingt verlockend – doch wie viel bleibt wirklich übrig? Die ehrliche Rechnung berücksichtigt alle Kosten, die Freelancer selbst tragen:

  • Krankenversicherung: 800–1.200 Euro/Monat (privat oder freiwillig gesetzlich)
  • Altersvorsorge: Empfohlen 15–20 % des Umsatzes
  • Auslastungsrisiko: Realistisch sind 200–220 Fakturatage pro Jahr (nicht 250)
  • Akquisezeit: Unbezahlte Zeiten für Projektsuche und Administration
  • Kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, kein Firmenwagen

Faustregel: Um das Netto-Einkommensniveau eines Festangestellten mit 70.000 Euro Bruttojahresgehalt zu erreichen, benötigen Sie einen Tagessatz von mindestens 550–600 Euro bei 210 Fakturatagen. Alles darüber ist echter Mehrverdienst.

Tagessatz richtig verhandeln

Bei der Tagessatzverhandlung gelten andere Regeln als bei Gehaltsverhandlungen in Festanstellung:

  • Kennen Sie Ihre Untergrenze: Kalkulieren Sie vorher Ihren Mindestsatz, der alle Kosten deckt und eine angemessene Marge enthält.
  • Differenzieren Sie nach Projektart: Langfristige Projekte (6+ Monate) rechtfertigen einen etwas niedrigeren Satz als kurzfristige Feuerwehr-Einsätze.
  • Verhandeln Sie Reisekosten separat: Hotel, Anreise und Verpflegungsmehraufwand sollten nicht im Tagessatz enthalten sein.
  • Bieten Sie Pakete an: Ein Festpreis für eine definierte Planungsleistung kann für beide Seiten attraktiver sein als ein Tagessatz.

Als TGA-Freelancer starten

Der Einstieg ins Freelancing erfordert Vorbereitung. Die wichtigsten Schritte:

  • Finanzielles Polster: Planen Sie 3–6 Monatsausgaben als Rücklage, bevor Sie starten.
  • Netzwerk aufbauen: Spezialisierte Personalberatungen wie ADVERGY sind der schnellste Weg zu Freelancer-Projekten in der TGA.
  • Haftpflichtversicherung: Eine Berufshaftpflicht ist für planende und überwachende Tätigkeiten unverzichtbar.
  • Steuern klären: Lassen Sie sich frühzeitig von einem Steuerberater zur Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuer und Gewerbe-Themen beraten.

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